Der Morgen über Nesmé war grau, der Himmel ein zerrissener Teppich aus Wolken, als sich sechs Gestalten zum Aufbruch rüsteten. Val, flink wie ein Windstoß, Schweisser mit funkelndem Werkzeug und rauchendem Ehrgeiz, Marik – der schweigsame Streiter mit dunklem Blick –, der naturverbundene Durtus, Johnny mit funkelnden goldenen Zähnen… und ein neuer Begleiter: Sir Louis Gloomward, ein Barde von eleganter Schwermut und geheimnisvoller Aura. Sein Auftauchen war so überraschend wie seine tiefen Klänge – und doch passte er, als hätte er stets dazugehört.
Ihr Ziel war Langsattel, doch ein Umweg versprach mehr als bloße Strecke: Eine zwergische Handelskarawane zog voraus – vielleicht im Besitz einer kostbaren Drachenschuppe. Und vielleicht bereit, den ersten Sud des neuen Zwergenbieres zu kosten.
Um Zeit zu gewinnen, bediente sich Durtus eines uralten Tricks der Natur: Mit knirschenden Knochen und flimmerndem Licht verwandelte er sich in ein kräftiges Pferd – und auf seinem Rücken trug er kein Gepäck, sondern das Zuhause selbst. Das magische Holzwürfelhaus wurde zur Miniatur geschrumpft und trug nun die gesamte Gruppe in seinem Inneren durch Wälder und über Hügel.
Doch der Aufenthalt im Würfel während des Ritts erwies sich als… ungewöhnlich.
Die Anziehungskraft schien verrückt zu spielen. Marik klammerte sich an einen der fliegenden Stühle, Val klebte dank ihrer Spiderclimb-Schlüpfer lässig an der Decke, während Schweisser kopfüber seinen Schraubenschlüssel jagte. Inmitten dieses chaotischen Tanzes schwebte Sir Gloomward durch das Interieur, schritt über rotierende Tische, tanzte über Stufen, die keinen Boden mehr hatten – und spielte dabei eine schwebende, melancholische Melodie, die alles für einen Moment zu ordnen schien.
Am zweiten Tag der Reise blieb Durtus wie vom Wind getroffen stehen. Ein Treeant – uralt, knorrig, das Gesicht verwittert wie die Zeit selbst – trat aus dem Schatten des Waldes. Seine knarrende Warnung: Yuan-Ti seien den Zwergen auf den Fersen, und nicht friedlich.
Sofort nahm das Pferd die Hufe wieder auf – galoppierend dem Schicksal entgegen. Nur Stunden später rollte der Holzwürfel über das Feld, verwandelte sich in das Haus zurück, und sechs bereitwillige Helden stürmten in den Kampf.
Die Yuan-Ti, inmitten des Überfalls auf die Zwerge, rechneten nicht mit dem magischen Feuerwerk, das folgte. Flammenzungen, Blitzwellen, Donnerknalle – Schweisser entzündete zum ersten Mal seine Arcane Condenser Rifle, deren glühender Lauf seiner Magie neue Qulaität verleiht. Val, ließ ihre Pfeile tanzen. Die erste Angriffswelle war zugleich die letzte für die Feinde – binnen Sekunden war das Feld leergefegt, nur noch Rauch, Reptilienleiber und erschrockene Zwerge blieben zurück.
Diese fünf Zwerge, erschöpft, aber gerettet, nahmen die Einladung ins Haus gerne an. Es wurde gegessen, getrunken, Geschichten wurden getauscht. Als Dank überreichten sie der Gruppe einige handgefertigte Werkzeuge, seltsame Pilzpulver und eine bronzene Brosche mit altem Wappen. Doch auf die Frage nach einer Drachenschuppe senkten sie betrübt die Blicke – nichts dergleichen in ihren Satteltaschen.
Da trat Sir Gloomward vor, seine Stimme wie Honig auf heißem Stein: „Eine Drachenschuppe? Nun… ich glaube, ich habe da noch etwas aus meinem letzten Abenteuer.“ Und mit einem beiläufigen Griff förderte er sie zutage – schwarz, schimmernd, die Schuppe eines jungen Drachen.
Staunen. Schweigen. Und dann – eine seltsame Vorfreude, wie ein Gewitter am Horizont.
Mit dieser unerwarteten Wendung legte sich die Gruppe zur Ruhe. Die Nacht war ruhig. Aber die Wege, die nun offen standen, waren es nicht.
The Unkown – Session 18


