Die Tür zum Gemach des Herzogs öffnete sich lautlos, und was einst ein Ort des Glanzes war, empfing Marik, Schweisser, Tervon und Durtus in gedämpfter Stille. Herzog James, sonst von ruhiger Würde getragen, wirkte gezeichnet – von Sorge, Schuld… und etwas Tieferem.
Die Nachricht vom gefundenen Gegengift für seine Frau schien ihn aufzuatmen lassen, doch seine Augen verrieten mehr. Ohne weitere Worte führte er die Gruppe durch die verwinkelten Gänge der Residenz – hinauf in den dritten Stock, wo Alicia Lockmere, Herzogin von Neverwinter, seit jenem Attentat in magischer Stasis gefangen war.
Der Raum war ein Standbild vergangener Hoffnung: schwere Vorhänge hielten das Licht fern, der Duft von Lavendelöl und kaltem Eisen hing in der Luft. Auf einem mit silbernen Runen verzierten Podest lag sie – schön wie aus Stein gemeißelt, in magischem Schlaf. Der alte Magier Pug stand bereit, das Ritual hatte begonnen. Stille. Erwartung.
Doch dann… veränderte sich James.
In flüsternden Worten offenbarte er, was er verschwiegen hatte: Um Alicia zu retten, war er Pfade gegangen, die ihn in die Tiefen seiner Vergangenheit führten. In die Schatten. In die Unterwelt. Und ein Pakt, längst vergessen, forderte nun seinen Preis – das Heilmittel, das Leben schenkte, bedeutete zugleich sein Ende.
Die Dunkelheit in ihm erwachte.
James, nun wie ein Schattenduellant, griff an. Seine Bewegungen waren präzise, seine Magie tückisch. Die Gruppe reagierte sofort: Schweisser beschwor seine Fiffi, Marik ließ die Steine selbst gegen den Herzog sprechen, Durtus rief die Natur zur Hilfe, und Tervon trat dem Fall mit erhobenem Hammer entgegen.
Doch der Kampf war kein gewöhnlicher. Als James’ Körper erste Wunden zeigte, überzogen ihn schimmernde Schuppen. Goldene Augen, flüsternde Stimmen – eine fremde Präsenz sprach durch ihn.
Dann… der Bruch.
Ein Moment des Grauens: Aus James erhob sich eine astrale Gestalt – eine riesige, schlangenhafte Entität mit sechs Köpfen, Symbol der verfluchten Yuan-Ti-Gottheit, die ihn in Besitz genommen hatte.
Doch die Gruppe wich nicht zurück. Schweisser, im Angesicht der drohenden Vernichtung, schleuderte einen letzten verzweifelten Shatter – und der Boden selbst brach unter der dämonischen Gestalt zusammen. Mit einem geisterhaften „Danke…“ löste sich James’ Körper auf, nur Staub und Licht blieben zurück.
Dann: ein Atemzug. Ein Zucken. Alicia erwachte.
Langsam erhob sie sich, ihr Blick flackerte suchend durch den Raum. „James…?“ flüsterte sie. Ihre Schritte führten sie zu jener Stelle, an der er gefallen war. Sie kniete nieder, legte ihre Hand auf den Boden.
„Ihr habt das getan, was ich nicht konnte. Ihr habt die Masken zerrissen… und mich befreit. Ich schulde euch nicht nur mein Leben. Ich schulde euch die Stadt.“
Doch dann, leiser:
„Aber ihr habt mir auch meinen Mann genommen.“
Keine Wut. Nur Trauer. Sie trat ans Fenster, zog den Vorhang zurück – goldenes Licht ergoss sich in den Raum. Hoffnung. Ein neuer Anfang.
Und dann… fiel Tervon auf die Knie.
Schweigend betete er zu Moradin, seinen Hammer Moradins Rod fest umklammert – und bot ihn an, im Tausch für das Leben des gefallenen Herzogs. Die Luft flimmerte. Ein uraltes Glühen erfüllte den Raum, als der Hammer sich in Funken auflöste. Die Esse der Götter antwortete.
Ein neuer Körper begann sich aus Licht und Erz zu formen.
Noch war es nicht vollbracht – doch der Wille war gesprochen. Und die Götter hatten geantwortet.
Alicia, bewegt und mit tränenden Augen, legte ihre Hand auf Tervons Schulter.
„Ihr seid keine Soldaten. Ihr seid Schildträger – nicht meiner, sondern der Menschen. Der Hoffnung.“
Am Abend flammten die Feuer der Feier auf. Musik hallte durch die Hallen, Becher wurden erhoben. Nicht für den Sieg – sondern für das Opfer. Für das Ende einer langen Reise. Und für den Anfang von etwas Neuem.
Die Hauptquest war abgeschlossen. Doch ihre Spuren… bleiben.
The Unknown – Session 26.1


